Privatkredit

Online-Privatkredite

Der Begriff Privatkredit ist doppeldeutig. Die Banken sprechen von einem Privatkredit, wenn sie Darlehen an Privatpersonen meinen – im Gegensatz zum Unternehmenskredit. Immer beliebter werden aber Kredite, bei denen Privatleute als Kreditgeber auftreten. Spezialisierte Marktplätze im Internet bringen Kapitalanleger, die mehr Ertrag erwirtschaften möchten als die Zinsen für risikoloses Tagesgeld, zusammen mit Menschen, die im klassischen Bankensystem Probleme haben, ein Darlehen zu erhalten. Bei dieser Form des Privatkredits bleiben die Kreditinstitute außen vor bzw.

sind höchstens zur Verwaltungsvereinfachung zwischengeschaltet. Man spricht deshalb auch von Peer to peer (P2P) Krediten, also Darlehen unter Gleichen auf Augenhöhe. Allerdings darf sich kein Kreditsuchender der Illusion hingeben, hier ginge es um einen Freundschaftsdienst. Auch der Privatkredit ist ein Geschäft mit klar definierten Gewinnerwartungen auf Seiten der Kreditgeber.

Vorteile eines Privatkredits

Privatkredit

Banken haben klare Vorstellungen, wer aus ihrer Sicht ein wünschenswerter Kreditkunde ist. Sie erwarten ein sicheres und ausreichend hohes Einkommen. Die Sicherheit des Einkommens wird in der Regel durch einen unbefristeten Arbeitsvertrag nachgewiesen. Bei der Einkommenshöhe gibt es keine festen Regeln, aber 1.000 Euro netto gelten als ungeschriebene Untergrenze.

Eine ganze Reihe von Menschen fallen bei diesen Vergaberichtlinien einfach durchs Raster. Minijobber, Schüler, Studenten und Auszubildende beispielsweise. Selbst bei einer hohen Ausbildungsvergütung und guten Leistungen scheitert es daran, dass die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis nach der Ausbildung nicht garantiert ist. Selbstständige und Freiberufler haben möglicherweise ein gutes Einkommen, aber es schwankt von Monat zu Monat. Eine Kreditvergabe ist möglich, erfordert aber erhöhten Aufwand, weil betriebswirtschaftliche Kennzahlen des Unternehmens geprüft werden müssen. Die einfache Bonitätsprüfung, wie sie bei den online über für den Antragsteller kostenlose Vergleichsportale angebotenen Verbraucherdarlehen vorgesehen ist, reicht hier nicht. Selbst Rentner gehören nicht immer zu den gern gesehenen Kreditnehmern. Zwar ist ihr Einkommen nicht von Arbeitslosigkeit oder Krankheit bedroht, und die Rente überschreitet auch oft die magische Grenze von 1.000 Euro. Bei ihnen ist es aber schlichtweg das Alter, das die Banken zurückhaltend werden lässt. Im Todesfall können die Hinterbliebenen ein überschuldetes Erbe ausschlagen, und dann bleibt die Bank auf ihren Forderungen sitzen. Eine Restschuldversicherung ist nicht immer möglich, weil es maximale Laufzeiten gibt, zum Beispiel bis zum 85. Lebensjahr. Alle genannten Kundenkreise müssen entweder viel Geduld bei der Suche nach einem Kredit mitbringen, oder sie müssen einen professionellen Kreditvermittler beauftragen und bezahlen. Sie sind aber auch die perfekte Zielgruppe für einen Privatkredit ohne Beteiligung von Banken.

Weniger strenge Bonitätsprüfung

Banken haben ihre eigenen Regeln für die Bonitätsprüfung. Sie sind durch die jeweilige Geschäftspolitik festgeschrieben. Um einen effizienten Geschäftsbetrieb zu gewährleisten, sind die Prüfprozesse weitgehend standardisiert oder sogar automatisiert. Ausnahmen sind unerwünscht, denn sie bedeuten mehr Risiko, vor allem aber auch zusätzlichen Aufwand, dem keine guten Ertragsaussichten gegenüberstehen.

Einheitliche gesetzliche Regelungen

Nach der Bankenkrise des Jahres 2007 hat aber auch der Gesetzgeber in der gesamten EU dafür gesorgt, dass Darlehen nicht mehr so leichtfertig wie bisher vergeben werden können. Mit den strengeren Vorschriften soll verhindert werden, dass der Steuerzahler erneut für Management-Fehler der Banken aufkommen muss. Die Kreditinstitute müssen nicht nur bei Vertragsabschluss, sondern laufend die Bonität ihrer Schuldner überwachen. Die Kapitaladäquanzrichtlinie schreibt vor, dass sie dem eingegangenen Risiko entsprechendes Eigenkapital vorhalten müssen. Die zusätzlichen Kapitalkosten machen das Geschäft mit besonders risikoreichen Krediten zunehmend unattraktiv.

Entscheidung aus dem Bauch heraus

Private Investoren haben weder mit internen Regeln noch mit Gesetzen, die nur für Kreditinstitute gelten, etwas zu tun. Für sie gelten nur die Beschränkungen, die sie sich selbst auferlegen. Das bedeutet nicht, dass auf den Plattformen für P2P-Kredite keine Bonitätsprüfung stattfinden würde. Wie die P2P-Marktplätze konkret prüfen, ist unterschiedlich. In der Regel führen die Betreiber des Angebots die Prüfung als Serviceleistung für ihre Investoren durch. Das Ergebnis ist eine Klassifizierung vergleichbar dem Schufa-Bankenscore. Dieser steht als Branchenkennzahl nur den Kreditinstituten zur Verfügung, die übrigens auch Mehrheitsaktionäre der Schufa Holding AG sind. Hinzu kommen beispielsweise Informationen über die sogenannte Kapitaldienstfähigkeit. Das ist ein Prozentsatz, der angibt, welchen Teil des verfügbaren Einkommens der Kreditnehmer für Tilgung und Zinsen aufwenden muss. Je geringer der Anteil ist, desto besser, denn umso leichter fällt es dem Schuldner, bei unvorhergesehenen Kosten oder Einnahmeausfällen seine Verpflichtungen dennoch zu erfüllen. Gehen nahezu 100 % des frei verfügbaren Geldes für den Kredit drauf, steigt das Ausfallrisiko drastisch an.

Flexible Modalitäten

Entscheidend ist, dass aus dem Ergebnis der Bonitätsprüfung keine Ablehnung eines Kreditantrags folgt, allenfalls eine Zinsempfehlung im obersten Bereich. Die Geldgeber können stets selbst entscheiden, wem sie Kredit gewähren und von welchen Projekten sie lieber die Finger lassen. Zwar gibt es die Möglichkeit einer automatisierten Anlage entweder in einem standardisierten Portfolio über alle Bonitätsklassen oder aufgrund individuell festgelegter Kriterien. Aber viele Investoren bevorzugen die direkte, manuelle Anlage in selbst ausgewählte Projekte. Auf diese Weise realisieren sie ein individuelles Verhältnis von erwarteter Rendite und akzeptierten Risiken, sie geben damit zugleich auch Projekten eine Chance, die erst beim genauen Hinsehen die darin enthaltenen Möglichkeiten offenbaren.

Kostenlose Sonderzahlungen

Wer als Kreditnehmer überraschend vor Ablauf des Kreditvertrags zu Geld kommt, hat davon bei einem gewöhnlichen Bankkredit oft nur beschränkt Nutzen. Vorzeitige Tilgungen müssen im Kreditvertrag vereinbart sein. Sind sie das nicht, kann die Bank eine sogenannte Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Hintergrund dieser Gebühr ist, dass die Bank aus dem Zins einen Gewinn erwirtschaftet. Fließt das Geld vor dem regulären Vertragsende zurück, trägt der Kreditgeber zwar kein Risiko mehr, hat aber auch keine Chance mehr auf den Gewinn. Wie hoch dieser Gewinnausfall ist, war früher oft Gegenstand von Streitigkeiten zwischen dem Kreditnehmer und seiner Bank. Mittlerweile gibt es eine klare gesetzliche Regelung. Erlaubt ist nur noch maximal 1 % der noch offenen Summe, bei einer Restlaufzeit unter einem Jahr sogar nur 0,5 %.

Vorzeitige Rückzahlung spart Zinsen

Bei Privatkrediten gelten im Normalfall andere Regeln. Da die Kredite tendenziell risikoreich sind, sind die Geldgeber froh, wenn sie ihr Geld bald zurückbekommen, gern auch schneller als geplant. Sonderzahlungen sind deshalb normalerweise jederzeit und in beliebiger Höhe zulässig und auch nicht mit besonderen Gebühren verbunden.

Geeignet für außergewöhnliche Finanzierungsvorhaben

Die oben geschilderte eher unkonventionelle Bonitätsprüfung und die daraus resultierende erhöhte Flexibilität bei der Vergabeentscheidung machen den P2P-Kredit interessant für alle Projekte, bei denen die Banken sehr zögerlich sind bzw. die Finanzierung ablehnen. Typische Kreditwünsche auf den einschlägigen Plattformen sind Umschuldungen einschließlich Ablösung des viel zu teuren Dispokredits, Umzugskosten und Möbel, aber auch Existenzgründungen. Ein älterer Mensch mit kleiner Rente will in eine günstigere Wohnung umziehen und dadurch Kosten einsparen. Im fehlt aber das Kapital für einen Umzug und die Anschaffung einiger neuer Möbel. Bei der Bank wird er für das an sich vernünftige Anliegen kein offenes Ohr finden, allein schon wegen des Alters und der geringen Rente ist die Bonität nicht gut. Private Anleger glauben aber vielleicht an den Plan und an die Chance, dass der Kredit aus der ersparten Miete getilgt werden kann. Ähnlich ist es bei ungewöhnlichen und deshalb mit Risiken behafteten Geschäftsideen von Existenzgründern. Stimmt die Verzinsung, gehen die Anleger auf den Marktplätzen für Privatkredite den Weg mit, nach demselben Prinzip, wie auch Crowdfunding funktioniert. Viele Investoren geben kleine Beträge und verteilen so das Risiko auf zahlreiche Schultern.

Genaue Beschreibung hilft

Manche Projekte sind im Angebot der Plattform nur als einmalige Gelegenheit, Zukunftschance und dergleichen beschrieben. Die Texte werden teilweise sogar automatisch aus den rudimentären Informationen des Antragstellers generiert. Ob sich bei so vagen Angaben genügend Geldgeber finden, ist fraglich. Außergewöhnlich darf das Vorhaben sein, aber der Anleger sollte zumindest wissen, worauf er sich einlässt. Bauchentscheidung ist gut und schön, aber sehenden Auges ein Fass ohne Boden füllen, das macht ein privater Investor ebenso wenig wie eine Bank. Besser ist, wenn der Marktplatz eine individuell erstellte Beschreibung des Finanzierungswunschs zulässt.

Nachteile eines Privatkredits

Bisher klingt die Idee des Darlehens unter Privatleuten nach einer idealen Lösung für beide Seiten. Der Kredit unter Freunden oder in der Familie wird durch das Internet auf eine breitere Basis gestellt. Dadurch erspart sich der Kreditnehmer die Peinlichkeit, bekannten Personen eine finanzielle Misere zu offenbaren und sich möglicherweise noch mit ihnen zu verkrachen, falls es mit der Rückzahlung nicht wie erwartet funktioniert. Der private Anleger kann seine Renditeerwartungen und seine Risikobereitschaft in Einklang bringen und hilft damit gleichzeitig Menschen, die woanders kein Geld bekommen. Aber wie die meisten Dinge im Leben hat auch der Privatkredit nicht nur Vorteile.

Wegfall des Verbraucherschutzes

Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gibt es besondere Schutzvorschriften zugunsten des Kreditnehmers. Sie gelten für Verbraucherdarlehensverträge. Was darunter genau zu verstehen ist, steht in § 491 BGB. Danach gilt der Verbraucherschutz für entgeltliche Darlehensverträge zwischen einem Unternehmer als Darlehensgeber und einem Verbraucher als Darlehensnehmer. Das ist beim Privatkredit nicht der Fall, weil es an einem Unternehmen – einer Bank – als Vertragspartner fehlt. Bei Streitigkeiten scheidet der Banken-Ombudsmann als Schlichtungsstelle aus, und auch Verbraucherschutzorganisationen sind nicht zuständig.

Bank wird zwischengeschaltet

Allerdings bleibt der Verbraucherschutz erhalten, wenn zwischen Kreditnehmer und Investoren eine Bank geschaltet wird, die formal den Kreditvertrag abwickelt. Verträge zwischen dem Kreditnehmer und jedem einzelnen Investor, der vielleicht nur mit einem Kleinstbetrag beteiligt ist, wären in der Praxis zu aufwendig. Rechtlich ist die Konstruktion meist so, dass zwischen Kreditnehmer und eingeschalteter Bank ein Kreditvertrag geschlossen wird. Dieser ist dann ein Verbraucherkreditvertrag nach § 491 BGB. Zwischen jedem Anleger und der Bank wird zusätzlich ein Vertrag über Verkauf und Abtretung der zukünftigen Forderungen aus diesem Verbraucherkreditvertrag geschlossen.

Möglichkeit der Gesamtfälligstellung durch den Kreditgeber

Als Kreditnehmer sollten Sie auf eine fest vereinbarte Laufzeit des Darlehensvertrags achten. Fehlt diese Vertragsbestimmung, ist der Kredit mit einer Frist von drei Monaten kündbar. Mit Ablauf der Kündigungsfrist wird die gesamte noch offene Forderung auf einen Schlag fällig. Ob Sie bislang jede Rate pünktlich gezahlt haben, spielt dabei keine Rolle – das Kündigungsrecht gilt auch, wenn Sie sich vertragsgemäß verhalten haben.

Möglichkeit überhöhter Zinsen

Auch wenn der P2P-Kredit dem Geldverleih unter Freunden nachgebildet ist, ist er doch absolut nicht zum Freundschaftspreis zu haben. Die Zinsen sollten dem Risiko angemessen sein. Es gilt das Prinzip von Angebot und Nachfrage: Wenn jemand sehr dringend Geld benötigt, aber zunächst keinen Vertragspartner findet, kann er es zu einem höheren Zins probieren. Irgendwann passt das Verhältnis aus Risiko und Rendite für die Kreditgeber.

Gebühren sind nicht verboten

Während den Banken bei Verbraucherkrediten besondere Gebühren neben dem Zins weitgehend verboten sind, gilt das bei Privatkrediten nicht. Die Plattformen sind ohnehin nur Marktplätze und nicht die Kreditgeber, deshalb dürfen sie für ihre Tätigkeit auch Geld verlangen. Üblich sind einmalige Gebühren bis zu 4,5 % der Kreditsumme sowie laufende Kosten für die Kontoführung. Rechnet man diese Gebühren und den Nominalzins für das Darlehen zusammen, kratzen die Zinsen bereits an der Marke von 20 % – doppelt so viel, wie der als teuer bekannte Dispokredit auf dem Girokonto. Für diesen Preis kann vermutlich auch ein professioneller Kreditvermittler frisches Geld bei einer Bank beschaffen. Diese Alternative sollte man prüfen.

Nachteile für den Kreditgeber

Der Kreditgeber muss sich darüber im Klaren sein, dass höhere Renditechancen zugleich ein höheres Risiko bedeuten. Die Plattformen für Privatkredite veröffentlichen üblicherweise keine Statistiken über Zahlungsausfälle. Da hier aber in der Hauptsache Kredite an Privatleute und Unternehmen vermittelt werden, die bei Banken chancenlos wären oder bereits abgelehnt wurden, ist ein überdurchschnittliches Ausfallrisiko wahrscheinlich. Erfahrungsberichte bestätigen dies. Anleger berichten, dass die angestrebten Gesamtrenditen keineswegs erreicht wurden, ja sogar Verluste entstanden sind. Manche Projekte riechen sogar nach Betrug, wenn trotz eigentlich solider Bonitätsdaten kein Cent zurückfließt, nachdem das Darlehen ausgezahlt wurde. Die Plattformen ergreifen dann zwar Maßnahmen von der Mahnung bis zum Inkasso, allerdings sind die Verfahren für die Anleger meist intransparent. Allerdings werden in den Erfahrungsberichten überwiegend nur Einzelfälle geschildert. Hintergrundinformationen fehlen, zum Beispiel ob die Investitionen bei einer Plattform erfolgten, die die Gelder über einen Anlegerpool schützt, welche Risikoklassen bedient wurden und ob die Anleger die Empfehlungen zur Risikostreuung auf viele Projekte beachtet haben.

Gebühren auch auf Anlegerseite

Die Rendite wird zudem durch Gebühren geschmälert. Die Marktplätze für Privatkredite kassieren nämlich auf beiden Seiten, sowohl vom Kreditnehmer als auch vom Kreditgeber. Die Modelle sind unterschiedlich. Zum Teil gibt es – allerdings geringe – feste Gebühren. Meist werden die Kosten prozentual erhoben, und zwar üblicherweise bezogen auf die Anlagesumme. Ob die Schulden später tatsächlich getilgt werden, spielt keine Rolle. Gebühren werden also trotz Zahlungsausfällen fällig. Fairer, aber weniger verbreitet ist eine Gebühr, die auf die Rückzahlung bezogen ist. Vereinfacht gesagt mindert eine Gebühr von einem Prozent der Anlagesumme die Rendite genau in dieser Höhe. Nun entstehen bei anderen Geldanlagen zum Teil auch Kosten, zum Beispiel Ordergebühren bei Wertpapieren und Ausgabeaufschläge bei Fonds, aber bei langer Haltedauer fallen sie nicht so stark ins Gewicht wie bei Krediten von kurzer Laufzeit.

Geld bleibt nicht investiert

Zu bedenken ist auch, dass das Geld nicht über die gesamte Laufzeit in voller Höhe investiert bleibt. Mit der Tilgung des Kredits sinkt die investierte Summe, und damit werden auch die Zinszahlungen weniger. Außerdem sind Sondertilgungen in der Regel kostenlos möglich. Damit ist die Anlagedauer im Vorfeld gar nicht sicher abschätzbar. Die Rendite nimmt zum Ende der Laufzeit deutlich ab, vor allem dann, wenn daraus fixe Kosten wie etwa die Absicherung über einen Anlegerpool zu zahlen sind. Manche Plattformen bieten die Möglichkeit, Kapitalrückflüsse gleich wieder zu investieren. Das birgt aber erstens die Gefahr, durch automatische Wiederanlage die individuelle Kontrolle zu verlieren, zweitens fallen je nach Gebührenmodell auch für die Reinvestition Kosten an.

Privatkredite online erhalten

Haben Sie ein ungewöhnliches Finanzierungsvorhaben, gehören Sie zu den Kunden, die bei den Banken nicht optimal bedient werden? Die Beschaffung eines P2P-Darlehens ist nicht komplizierter als die Beantragung eines Darlehens bei der Bank. Allerdings kann es bis zur Kreditzusage länger dauern. Sie sollten also etwas Zeit einplanen, denn für Sofortkredite sind die Privatkredit-Plattformen eher ungeeignet.

Schritt 1: Plattform auswählen und registrieren

Recherchieren Sie im Internet, welcher Kreditmarktplatz am aussichtsreichsten erscheint und dem Kreditnehmer ein transparentes, faires Gebührenmodell bietet. Achten Sie darauf, wirklich neutrale Erfahrungsberichte zu lesen. Oft handelt es sich nämlich in Wahrheit um Werbung, und der Verfasser des Berichts verdient Provision, wenn Sie auf die Links zu den beworbenen Plattformen klicken. Interessant können auch Marktplätze sein, die sowohl Privatdarlehen als auch Bankkredite anbieten. Dort haben Sie den direkten Vergleich, auf welchem Weg Sie Ihr Projekt am besten finanzieren. Die Registrierung auf der Plattform wird den potenziellen Kunden so leicht wie möglich gemacht. In der Regel gibt man einfach seinen Kreditwunsch ein und wird damit automatisch durch die kurze Anmeldung geführt.

Schritt 2: Kreditwunsch eingeben

Die Kreditanfrage startet mit der Eingabe des gewünschten Darlehensbetrags und dem Verwendungszweck, für den die Eingabemaske bestimmte Kategorien vorgibt. Eine konkrete Angabe führt dabei regelmäßig zu einer besseren Einstufung als ein Kredit zur freien Verwendung. Eventuell kann auch bereits eine zum verfügbaren Einkommen passende Monatsrate angegeben werden. Aus diesen Angaben und einem für die Risikoklasse empfohlenen Zinssatz errechnet sich dann die Laufzeit des Vertrags. Üblicherweise gibt der Kreditinteressent zusätzlich einige Informationen, aus denen ein persönliches Profil generiert wird. Dadurch wird auch Vertrauen bei den Kreditgebern gestärkt.

Schritt 3: Einnahmen und Ausgaben

Um eine Finanzierungsanfrage zu starten, muss zunächst eine Bonitätsprüfung erfolgen. Dazu werden externe Quellen wie die Schufa abgefragt, aber auch der Antragsteller selbst muss einige Angaben machen, zum Beispiel zu seinem Arbeitsvertrag und laufenden Verpflichtungen wie Miete oder anderen Krediten. Das kann in Form eines kleinen Haushaltsbuchs erfolgen. Insgesamt dauern die Eingaben nur ein paar Minuten, wenn benötigte Unterlagen wie etwa Kontoauszüge schon bereitliegen.

Schritt 4: Prüfung der Chancen und Veröffentlichung

Je nach Ergebnis der Bonitätsprüfung gibt es entweder bereits jetzt eine feste Kreditzusage oder eine Veröffentlichung des Projekts, je nach Plattform mit Einschätzung der Finanzierungschancen. Die privaten Anleger beteiligen sich meist nur mit sehr kleinen Beträgen, etwa mit der Mindestsumme von 25 Euro, um bei einem Ausfall nicht zu viel Geld zu verlieren. Wer also 2.000 Euro benötigt, muss bis zu achtzig Kreditgeber von sich und seinem Projekt überzeugen. Zu diesem Zweck steht das Projekt für eine vereinbarte Zeit online und wartet auf Mitzeichner. Da in der Praxis nicht nur Privatpersonen, sondern auch institutionelle Anleger mit größeren Summen auf den Plattformen aktiv sind, kommen manche Finanzierungen dennoch recht schnell zustande.

Schritt 5: Kreditvertrag abschließen

Ist ein Projekt vollständig gezeichnet, werden die eigentlichen Verträge abgeschlossen. Der Marktplatz ist kein Kreditgeber und auch kein Kreditvermittler, der in Deutschland eine behördliche Erlaubnis benötigt. Er stellt lediglich die benötigte Infrastruktur bereit und übernimmt, auch über Tochtergesellschaften, einige Serviceleistungen. Verträge kommen normalerweise aber auch nicht direkt zwischen dem Kreditnehmer und dem oder den Investoren zustande, sondern durch Zwischenschaltung einer Bank. Plattform oder Servicedienstleister übernehmen die formalen Schritte wie die Identifizierung des Kreditnehmers per Postident-Verfahren oder Videochat und kümmern sich um alle nötigen Verträge. Sind diese Punkte erledigt, kann das Geld fließen. Wie lange es zwischen Veröffentlichung des Kreditwunschs und Auszahlung dauert, ist schwer einschätzbar. Ein plausibel dargestelltes Projekt mit guter Bonität des Kreditnehmers ist oft innerhalb eines Tages auszahlungsreif, bei problematischen Verhältnissen kann es aber auch passieren, dass nach Ablauf der Veröffentlichungszeit keine Finanzierung zustande gekommen ist.

Fazit

Die Übertragung des Prinzips von Krediten unter Freunden auf fremde Darlehensgeber via Internet erzeugt eine Win-win-Situation: Kapitalanleger, die bereit sind, für höhere Renditen mehr Risiko einzugehen, erhalten ohne großen Verwaltungsaufwand und ohne Börsenkenntnisse eine attraktive zusätzliche Anlageklasse. Kreditsuchende, die im klassischen Bankensystem schlechte Chancen haben, finden hier unbürokratisch potenzielle Geldgeber. Privatkredite eignen sich besonders für Existenzgründer, Selbstständige und Ausbildungsfinanzierungen. Allerdings müssen beide Seiten beachten, dass es hier um ein Geschäft geht, nicht um einen Freundschaftsdienst. Die Renditeerwartungen der Anleger werden nur erfüllt, wenn die Zinsen so hoch sind, dass sie auch Zahlungsausfälle kompensieren. Kreditnehmer können nicht mit Nachsicht rechnen, sondern sind beim Privatkredit ebenso von Mahnungen und Inkassomaßnahmen betroffen wie bei einem Bankdarlehen. Die Plattform, die den Marktplatz für Privatkredite bereitstellt, will ebenfalls verdienen und erhebt von beiden Seiten Gebühren. Daraus ergeben sich für den Kreditnehmer hohe effektive Jahreszinsen. Ein Vergleich mit dem Angebot eines Kreditvermittlers kann deshalb lohnen.